Mittwoch, 19. Oktober 2011

Produkte: Ulrike Sandner: Produkte mit Sinn

„Produkte mit Sinn“

Sinn - mit Sinn - steht zum Einem für gut durchdachte Produkte. Gemeint ist hier ein sehr gut entwickeltes Design, welches in seiner Funktion, Funktionalität und auch in der Materialauswahl dem Nutzer mit seinen Anforderungen und Wünschen entspricht.
Sinn - für die Sinne - steht zum Anderen für das Entwerfen von multisensuellem Design. Hier sollen Produkte oder Produktansätze entstehen, die dem Nutzer sinnesaktivierende Wirkungsmöglichkeiten bieten.

Diese beiden Aspekte - mit Sinn und für die Sinne - sollen im Gestalten von Produkten zu meinem Generalthema werden.


„Kreiseln für die Sinne“


Der feinmotorische Kreiselbaukasten

Der feinmotorische Kreiselbaukasten besteht aus einem Holzkästchen, welches zum Einem als Transportmittel und zum Anderen als Installationsfläche dient. In ihm befinden sich zwei Kreiselkörper aus Polyurethan sowie verschiedene Drehgriffe, die durch ein Schraubgewinde auf den Kreiselkörper montiert werden können. Um unterschiedliche Materialerfahrungen zu vermitteln, und damit die Sinnesaktivierung anzuregen, bestehen die Drehgriffe aus verschiedenen Werkstoffen wie Holz, Kunststoff, Metall. Durch die Formgestaltung der Drehgriffe, ist es außerdem möglich, die feinmotorischen Ansprüche zu variieren.
Neben dem subjektiven Empfinden, welcher Griff für einen Nutzer am besten zu handhaben ist, können zusätzlich auch gezielte Greifformen beübt werden. Vor Allem in der Therapie von feinmotorischen Störungen, zum Beispiel nach Verletzungen der Hand oder Koordinationsstörungen, soll der Kreiselbaukasten zum Einsatz kommen.
Nicht nur das Kreiseln als solches erfordert ein hohes Maß an feinmotorischem Geschick, sondern auch das Aufschrauben eines Griffes auf den Kreiselkörper. Dies kann in einer Therapiesituation als Vorbereitung auf den eigentlichen Kreiselvorgang gut genutzt werden.
Da sich im Baukasten zwei Kreisel befinden, besteht die Möglichkeit, auch zu zweit zu kreiseln. Daher können Spielsituationen, wie „Welcher kreiselt am längsten?“ oder „Kreiselabschießer“ entstehen.
Der feinmotorische Kreiselbaukasten bietet auf Grund seiner Vielfältigkeit ein großes Einsatzspektrum. Einerseits kann man ihn als Zeitvertreib zu Hause, andererseits in der Therapie nutzen. Auf Grund der Größe des Kastens, ist es hier auch möglich, ihn nicht nur in der Praxis, sondern auch im Hausbesuch oder am Krankenbett einzusetzen.

Das Kreiselset


Das Kreiselset besteht aus fünf Kreiseln, welche aus Lindenholz gedrechselt sind.
Hingegen zum feinmotorischen Kreiselbaukasten bestehen hier Körper und Griff aus einem Stück. Damit das Set eine Familie bilden kann, sind die Kreiselgrundkörper bei allen gleich gehalten.
Um unterschiedliche Schweregrade beim Kreiseln zu erzielen, variieren die Griffe in ihrer Form und Größe.
Die Griffe wurden nach ergonomischen Grundsätzen entwickelt.
Dadurch wird das Kreiselset vor allem auch auf dem therapeutischen Sektor attraktiv, da es möglich ist, bestimmte Greifformen wie Schlüssel-, Spitz- und Pinzettengriff gezielt zu trainieren. Die Herausforderung besteht darin, je nach Griffart unterschiedliche feinmotorische Fertigkeiten anzuwenden, Kräfte zu dosieren sowie Bewegungen zu koordinieren.
Neben dem therapeutischen Aspekt besitzt das Kreiselset auch den Charakter eines Sammlerobjektes.
Durch die extra dafür hergestellte Aufbewahrungsbox lädt es auch den Liebhaber zu Hause oder im Büro zum stetigen Kreiseln ein.
Nicht nur die Förderung der manuellen Geschicklichkeit, sondern auch das Vermitteln von Freude und Spaß sind von großer Bedeutung.
Egal ob Groß oder Klein, Jung oder Alt: Alle sind aufgefordert den „richtigen Dreh“ zu finden.

Der Kreisel zum Aufbewahren

Der Kreisel als Gefäß besteht aus Porzellan. Der Gefäßhals, welcher als Kreiselgriff fungiert, besitzt am oberen Ende eine Öffnung, durch welche verschiedene Utensilien wie feste Stoffe oder Flüssigkeiten eingefüllt werden können. Zum Verschließen der Öffnung gibt es einen kleinen Korken.
Je nach Befüllung können unterschiedliche Sinneswahrnehmungen aktiviert werden. So ist es beispielsweise möglich, durch die Aufbewahrung kleiner süßer Dinge, wie Smarties, TicTacs oder Liebesperlen, sowohl den akustischen, beim Kreiseln oder Schwenken (wie bei einem Tischglöckchen), als auch den gustatorischen Reiz beim Naschen anzuregen.
Mittels diverser Flüssigkeiten, wie ätherische Öle oder Parfum, wird der Kreisel zum Flakon.
Durch den Kreisel, der mit Löchern im Kreiselkörper versehen ist, kann die olfaktorische Wahrnehmung zusätzlich intensiviert werden. Getrocknete Substanzen, wie Lavendel, Vanille oder Rosenblätter, werden zusammen mit kleinen unglasierten Porzellankugeln eingefüllt. Durch das Kreiseln entsteht eine Reibung zwischen beiden Füllgegenständen, welche eine Freisetzung der Duftstoffe hervorruft, die durch die Löcher nach außen dringt.

Der Saucenmixer

Der Saucenmixer ist aus Borosilikatglas hergestellt, dadurch können kalte aber auch heiße Saucen eingefüllt werden.
Der eigentliche Ansatz war, das Kreiseln des Gefäßes in eine Bewegung des Drehens oder Schwenkens mit der Hand zu übertragen. Durch die intensive Zusammenarbeit mit Glasbläserhandwerksmeister Fred Leinung von der HU Berlin, ist es jedoch gelungen einen Saucenmixer, welcher kreiseln kann, entstehen zu lassen.
Auf Grund der eingestochenen Noppen im Glaskörper wird der Löffel zum Umrühren abgelöst und die Trägheit der Flüssigkeiten aufgehoben.
Der Saucenmixer findet nicht nur zu Hause sondern auch im Restaurant Einsatz. Vorstellbar wäre, der Kellner mixt am Tisch, vor den Augen der Gäste, die frischen Zutaten im Glaskreisel und gießt dann die Vinaigrette über den angerichteten Salat. Sollten die Bestandteile der Salatsauce wie Essig, Öl, Kräuter, ... sich abgesetzt haben, ist durch eine einfache Kreiselbewegung ein erneutes Vermischen schnell herbeigeführt.
Neben der entstandenen Sauce, welche die olfaktorische und gustatorische Wahrnehmung anregt, bietet der Glaskreisel zusätzlich visuelle Reize. Durch die Transparenz des Glases, hat man die Möglichkeit, den Mischvorgang sowie verschiedene Licht- und Schattenspiele zu bewundern.

Der Zitronenstößel

Die schnellste Variante, eine Zitrone auszupressen, ist die Nutzung eines Zitronenstößels.
Das Material Porzellan, welches verwendet wurde, hat den Vorteil, daß es einfach und schnell zu reinigen ist.
Im Gegensatz zu herkömmlichen Kunststoffpressen bleiben Zitronenfasern an den Graten nicht hängen. Des Weiteren bietet sich dieser Werkstoff an, da die Zitronensäure Porzellan nicht angreifen kann und der Stößel somit durch eine Langlebigkeit besticht.
In seiner Formensprache ähnelt der Stößel einem Kreisel. Die Bewegung des Kreiselns wurde hier aufgegriffen und in eine Drehbewegung übertragen.
Um einen, für viele Nutzer, ergonomischen Griff herzustellen, entstanden im Vorfeld diverse Gipsmodelle in Originalgröße. Mit diesen wurden mögliche Handhabungen und Funktionalität getestet. Beim Testen wurde darauf geachtet, sowohl große als auch kleine Hände einzubeziehen.
Entstanden ist ein Griff, der auf Grund der Rundung am oberen Griffteil eine gute Kraftübertragung gewährleistet und durch die Einarbeitung einer Kante ein Abrutschen beim Drehen verhindert. Diese beiden Aspekte sind nötig, um die ganze Zitrone auszupressen.
Neben dem haptischen Reiz und dem gut in der Hand liegen, wird beim „Kreiseln“ gleichzeitig die olfaktorische Wahrnehmung angeregt.

Der Farbkreisel


Der Farbkreisel besteht hier aus Porzellan. Durch die unterschiedliche Gestaltung des Kreiselkörpers, entweder mit oder ohne Löcher, sind verschiedene Anwendungsmöglichkeiten gegeben.
Eingesetzt werden sollen die Kreisel vorrangig in der Gruppe,
wie zum Beispiel im Kindergarten. Aber auch ein Einsatz im therapeutischen Bereich, zur Förderung der zwischenmenschlichen Interaktion, wäre denkbar.
Der Kreisel mit Löchern besitzt am Griff eine Öffnung, durch welche die Farbe (beispielsweise Lebensmittelfarbe) eingefüllt werden kann. Wer geschickt genug ist, kann durch Kreiseln schöne Bilder erzielen, da die Farbe mittels der Drehbewegung durch die Löcher rausgespritzt wird.
Auch mit dem Kreisel ohne Löcher können schöne bunte Bilder entstehen. Hierzu muß dieser in Farbe (gut eignen sich Fingermalfarben) getaucht werden. Da die Farbe hierbei nicht so spritzt, sondern sich eher gleichmäßig verteilt, ist auch ein Arbeiten auf einer kleineren Fläche möglich.
Auf Grund der Materialwahl Porzellan besitzen die Kreisel eine
Bruchgefahr und es ist ratsam, sie unter Aufsicht zu verwenden oder Barrieren, die ein Herunterfallen vom Tisch verhindern, zu errichten. Ich könnte mir auch vorstellen, die Kreisel aus Kunststoff herzustellen und somit die Bruchgefahr zu minimieren.

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